Vom "Gesehen werden"

Wann sind Sie das letzte Mal gesehen worden - so richtig gesehen worden?

Ich meine nicht beim Überqueren der Straße. Das ist natürlich auch ungeheuer wichtig! Ich meine eher: Wann hatten Sie das letzte Mal das Gefühl, dass Ihr Gegenüber Sie sieht - Sie so richtig versteht, sich auf Sie einläßt und nicht primär versucht Ihnen die eigenen Interessen unterzujubeln?

 

In meiner Arbeit als Home Coach ist das unerlässlich. Meine Beratung basiert auf Vertrauen und ist sehr individuell. Daher ist "sehen" im Bezug auf meine Kunden ebenso wichtig wie die Innenarchitektur. Jeder Hausbesuch bei meinen Kunden folgt einer Einladung. Das ist mir jedes einzelne Mal sehr bewußt. Ich bin zu Gast! Mein Gegenüber öffnet seine Tür - nicht nur zu seinem Heim, nein - auch zu seinem Ich. Denn was sonst ist unser Zuhause, wenn nicht das Abbild unserer Selbst, unserer Sehnsüchte, unserer Konflikte, unserer Stärken und unserer Schwächen.

In solchen Momenten kommt es zu Begegnungen, zum aktiven Spüren und Wahrnehmen der Person, die gegenüber steht.

Unser Zuhause ist ein Schutzraum. Manchmal brauchen wir ihn als Rüstung um Unangenehmes von außen abzuwehren. Er kann aber auch die Höhle aus Stühlen und Decken sein, die wir aus unserer Kindheit kennen. Die Höhle, in der wir uns geborgen fühlen und die uns entspricht.

Ich empfinde es jedesmal als großes Geschenk wenn mein Gegenüber soviel Vertrauen hat mich mit unter die Decke zu lassen und mich in seine Höhle einzuladen.

Natürlich gibt es Unsicherheiten. Was wenn das nicht passt? Wenn ich missverstanden und nicht "gesehen" werde? Es ist immer ein Wagnis sich zu zeigen. Das ist uns evolutionär so angeboren. Wir könnten angegriffen, verletzt oder enttäuscht werden.

Es braucht Mut seine Komfortzone zu verlassen, aber es ist auch der einzige Weg neues zu entdecken und sich weiterzuentwickeln.

 

Wie ist das nun wenn man gesehen wird? Wenn wir spüren, dass unser Gegenüber uns versteht, uns annimmt und Hand in Hand in die gleiche Richtung schaut?

Solche Verbindungen sind besonders, weil sie eben nicht alltäglich sind. Ein solches Erlebnis hatte ich vor einigen Monaten als ich Marta Maria Mróz traf.

Sie ist Künstlerin und Fotografin in Kaiserslautern.

Marta hat Fotos von mir gemacht und das war ein ganz besonderes Erlebnis. Sie hatte ganz tolle Ideen. An mehreren Orten, mit mehreren Outfits sind so sehr viele Fotos entstanden.

Bei unserem Termin hatte ich bereits das Gefühl verstanden und gesehen zu werden, aber die Bilder schließlich vor mir zu sehen, ließ keinen Zweifel mehr zu.

Da sah ich sie ausgebreitet - alle möglichen Facetten von mir. Die, von denen ich denke, dass sie mir schmeicheln. Die, die zeigen was ich gerade denke. Die, die ich an mir nicht so mag, aber die dennoch ICH sind.

Marta hat mich gesehen und ich bin froh, dass ich sie in meine Höhle gelassen habe.

 

Sich zu öffnen ist schwer. Für jeden! Es wird ein bisschen leichter, wenn man nicht der Erste ist.

 

Hier bin ICH. - so wie ich bin.

Schön, dass Sie auch da sind.

 

Ihr Home Coach Leonie Garth